Testudo kleinmanni  (LORTET, 1883)

Ägyptische Landschildkröte


 

Die Ägyptische Landschildkröte ist die kleinste Art der Echten Landschildkröten Testudinidae mit einer maximalen Carapax-Länge des Männchens bis 10cm und des Weibchens bis 14cm.Sie sind an ein Leben im halbwüstenartigen Klima mit einer hohen Luftfeuchtigkeit angepaßt, da sie nur in einem relativ schmalen Küstenstreifen von Libyen über Ägypten bis nach Palästina vorkommen. Durch die Nähe zum Meer herrscht im Habitat eine hohe Luftfeuchtigkeit, die nachts bis 85% ansteigen kann. Regen fällt fast nur in den Wintermonaten. Die Tagestemperaturen können im Sommer bis 40°C ansteigen, und fallen nachts etwa bis 22°C ab. Im Winter sinken die Temperaturen am Tag bis auf etwa 16-20°C und in der Nacht bis auf 8-12°C. Die Tiere halten im Sommer, bedingt durch die hohen Temperaturen und die verdorrte Nahrung, eine Sommerruhe (Ästivation). 


Das Terrarium:

Testudo kleinmanni ist sehr bewegungsfreudig, und benötigt dementsprechend ein Terrarium mit einer großen Grundfläche. Ich habe mich hierfür zu einem Selbstbau entschlossen. Dazu dient ein ausgedienter Kleiderschrank mit den Maßen 1,85m x 1,25m. Es wurden die Türen und die Regale entfernt, sodaß nur noch das "Grundgerüst" vorhanden war. Auf diesem Gerüst wurden gelochte Winkelschienen für Regalsysteme so angebracht und verschraubt, daß ich sie mit Acryl-Glasplatten beplanken konnte. So entstand ein großes, geschlossenes Terrarium mit einer Höhe von einem Meter. Sicherlich optisch nicht das Eleganteste, aber für mich stehen die Bedürfnisse des Tieres an erster Stelle und die Kosten an zweiter, erst dann kommt die Optik. Für ein Terrarium dieser Größe und die dazugehörige Technik müsste man im Handel sicher einen vierstelligen Betrag ausgeben. 




Das Terrarium ist aber nicht vollkommen dicht. Zur Belüftung gibt es Bohrungen, in denen früher die Stifte der Regalböden enthalten waren.


 Außerdem liegen die Acryl-Glasplatten nicht ganz plan auf den Winkelschienen an. Die Acryl-Glasplatten an den Seiten und der Stirnseite sitzen in U-förmigen Alu-Leisten, sodaß ich sie bei Bedarf aufschieben kann, um nötige Arbeiten im Terrarium zu verrichten. Durch den Abstand der U-Leisten zu den Winkelschienen entstehen zwangsläufig Lücken, durch die Luft zirkulieren kann.


Aber die Abdeckung ist dennoch so wirksam, daß sich die nötige Luftfeuchte und Temperatur im Terrarium gut hält. 

Als Bodengrund habe ich Sand, in dem auch viele kleine und größere Steine enthalten sind, aus einer nahegelegenen Kiesgrube verwendet. Diesen habe ich mit Natur-Lehmputz im Verhältnis 1:5 gemischt und angenäßt ins Terrarium in verschiedenen Höhen eingebracht. Natürlich nicht ohne vorher den Boden des Terrariums mit Teichfolie auszuschlagen... denn das Terrarium besitzt keine Bodenplatte, sodaß die Folie direkt auf den Fußboden/Teppich des Terrarium-Zimmers aufliegt und ihn gegen Feuchtigkeit schützt. Durch den enthaltenen Lehm erhärtet sich das Gemisch so, daß die Schildkröte festen Boden unter ihren Füßen hat und, ohne Einzusinken, gut laufen kann. Außerdem speichert der Lehm wunderbar die Feuchtigkeit nach dem Sprühen und gibt ihn an die Luft wieder ab, sodaß die benötigte Luftfeuchte im Terrarium ohne Probleme erreicht wird. 




Das Terrarium sollte in einem Raum stehen, in dem man im Winter die benötigte Nacht-Absenkung auf bis zu 13°C realisieren kann. Also scheiden die meisten Wohnzimmer dafür aus. Ich konnte hierzu das ehemalige Kinderzimmer meiner Tochter verwenden, die eigene Wege geht und das Zimmer nun leer steht. 

Als Bepflanzung habe ich Sukkulenten gewählt, die direkt in den Bodengrund gepflanzt wurden. Durch das wöchentliche Gießen erhält man ganz wunderbar, neben dem täglichen morgendlichen Sprühen, die benötigte Luftfeuchte von 60 - 85 %. Im Winter sollte man aber spärlich gießen und sprühen, da sonst auch tagsüber die Luftfeuchte nicht unter 80 % sinkt. Weitere Einrichtungsobjekte sind größere Steine und Wurzelhölzer. Versteckmöglichkeiten bieten zwei halbierte Blumentöpfe aus Ton, die im Bodengrund eingelassen wurden. Diese so entstandenen "Höhlen" habe ich zur Hälfte mit Sphagnum-Moos gefüllt, das ich im Sommer auch öfter kräftig besprühe oder sogar gieße, um eine Verdunstungs-Kühle in der sommerlichen Hitze innerhalb der Höhle zu erreichen. Auf diesen Höhlen habe ich Wurzelhölzer aufgelegt, um einen möglichen Absturz der Schildkröte zu vermeiden...falls sie mal auf den Gedanken kommen sollte, das Dach der Höhlen zu erklimmen. Wie auf diesem Beispiel hier ersichtlich:

Sie kommt zwar selbstständig wieder auf die Füße, wenn sie mal auf dem Rücken liegt, aber es dauert ein Weilchen. Aber gerade in der sommerlichen Hitze möchte ich ihr diese doch erhebliche Anstrengung ersparen.









Der Geldbaum Crassula ovata hat sich bisher als einzige Bepflanzung etabliert. Er kommt mit den Bedingungen im Terrarium gut zurecht und wird auch von der Schildkröte nicht angefressen. Versuche mit Grasarten und anderen Sukkulenten schlugen fehl bzw. wurden verspeist. Man sieht auf den Fotos, wie er sich dem Licht entgegenreckt und gedeiht. 

          



Trinkmöglichkeiten sind in Form von einer Vogel-Tränke und einer kleinen Wasserschale, wie sie im Terraristik-Fachhandel zu finden ist, immer vorhanden. Das Wasser in der Schale verdunstet im Sommer ziemlich schnell, aber die Vogel-Tränke bietet dank ihres Reservoires immer eine Möglichkeit zum Trinken. 

           



Die Technik des Terrariums besteht aus drei Komponenten: Licht, Wärme und UV. Als Lichtquelle dienen eine 150cm LED-Tageslichtröhre mit Reflektoren und zwei LED-Tageslichtlampen mit jeweils 10W. Das entspricht einer Gesamt-Lichtleistung von ca. 5500 Lumen. Dazu kommen noch die UV-Kompaktlampe und der Wärme-Spot, die ja auch zusätzlich Licht abgeben.

Außerdem steht das Terrarium in Fensternähe, sodaß auch Tageslicht und Sonnenstrahlen ins Terrarium gelangen. Sonnenstrahlen aber nur am Morgen, da das Zimmer eine Ost-Ausrichtung hat.

Die Wärmequelle besteht aus einer Infrarot-Heizung von 600W, die über ein Thermostat regelbar ist. Durch die Terrarium-Höhe von einem Meter konnte ich sie gut integrieren. Nur durch die Lampen allein erreicht man nicht die geforderte Wärme. So kann ich bequem die gerade vorherrschende Tages-Temperatur im Habitat (ich verwende z.B. die libysche Hafenstadt Tobruk) einstellen. Die Temperatur ist auf 2°C Toleranz eingestellt, d.h. wenn in Tobruk z.B. am 18. Dezember ein Tageshöchstwert von 20°C herrscht, regelt das Thermostat auf eine Terrarium-Temperatur von 18 - 20°C. So geht die Heizung nicht ständig an und aus, um die Temperatur zu halten. Es dauert etwa 20 Minuten, bis es sich um 2°C abgekühlt hat. Dann heizt es durch die 600W-Leistung in nur 6 Minuten wieder auf die geforderten 20°C auf. So halten sich die Stromkosten in Grenzen. (Ich habe aber trotzdem noch ein Balkonkraftwerk in Betrieb, was natürlich auch einen Teil der Stromkosten abfängt).



 





Nachfolgend ein Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsdurchschnitt der libyschen Hafenstadt Tobruk im Verlauf des Jahres:

Diese Bedingungen sollte man in einem Testudo kleinmanni-Terrarium ungefähr erreichen können. 

In Klammern der Vergleichswert meines Heimat-Ortes in Deutschland.


2026
Tageshöchstwert in °C
Nachttiefstwert in °C
relative Luftfeuchte in %
Januar
19 (2)
11 (-4)
52 (80)
Februar
21 (6)
13 (0)
56 (80)
März
19 (13)
12 (2)
61 (58)
April
22 (15)
14 (4)
63 (49)
Mai
25 (21)
17 (9)
63 (55)
Juni
28 (26)
21 (15)
69 (50)
Juli
30 (27)
24 (14)
70 (45)
August
31 (26)
25 (14)
74 (50)
September
29 (22)
23 (11)
70 (63)
Oktober



November



Dezember








Dann gibt es noch einen Wärme-Spot von 35W und eine UV-Quelle in Form einer 26W-Leuchtstoffkompaktlampe für Wüstentiere mit einem UVB-Anteil von 10%. Diese wird jährlich ausgetauscht. Nun mag einem die 35W-Leistung des Wärme-Spots etwas wenig vorkommen. Jedoch habe ich den Spot relativ nah über dem Boden angebracht, sodaß selbst im Winter darunter eine wohlige Temperatur von 30°C erreicht wird. Im Frühjahr bis Herbst dann natürlich noch entsprechend mehr. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob das von Vorteil ist. Denn in der Natur bzw. im Habitat gibt es wohl im Winter auch keine Wärmequelle von bis zu 30°C. Da aber die Tiere keine Winterruhe, sondern eher eine Sommerruhe halten, erschien mir das doch ganz vernünftig. Nur meine Schildkröte hält sich nicht ganz so daran... ;-) dazu aber später mehr bei dem Abschnitt "Beobachtungen und Verhalten im Terrarium". 

Die UV-Leuchte und den Wärme-Spot habe ich relativ nah beieinander angebracht, sodaß die Schildkröte beim "Sonnen" auch gleichzeitig UV-Strahlen abbekommt.



Beobachtungen und Verhalten im Terrarium:

Testudo kleinmanni ist im Terrarium tagaktiv, beschränkt jedoch ihren täglichen Aktionsradius auf relativ wenige Stunden. Nach dem morgendlichen Aufwärmen unter dem Spot begibt sie sich auf Nahrungssuche bzw. wandert recht zügig durchs Terrarium. 


Gegen Mittag, manchmal auch bis 14 Uhr oder spätestens 14:30 Uhr, ist sie wieder in ihrem Versteck und ruht. Die Tageslichtlängen habe ich entsprechend ähnlich den im Habitat vorkommenden Sonnenauf und -untergang eingestellt. Nachstehend sind das folgende Beleuchtungszeiten:


Januar9h
Februar10h
März
11h
April12h
Mai13h
Juni14h
Juli14h
August13h
September12h
Oktober11h
November10h
Dezember9h



Die Spot- und UV-Lampe sind entsprechend immer 2h kürzer, und die Heizung 4h kürzer eingestellt. So wird ein natürliches Wärme-Gefälle im Laufe des Tages simuliert. 

In der Natur ist die Ägyptische Landschildkröte laut Literatur wintertaktiv, und ruht in den heißen Sommerwochen. Das kann ich durch Beobachtungen im Terrarium so nicht bestätigen. Meine Schildkröte ist auch bei Temperaturen jenseits der 30°C im Sommer aktiv... es scheint sogar, daß das ihre Vorzugstemperatur ist. Sie ist dann fast hyperaktiv, frißt sehr gut und viel und liegt sogar bei den Temperaturen noch unter dem Wärme-Spot. Wahrscheinlich begibt sie sich in der Natur im Sommer erst ab 40°C in die Ästivation, aber diese Temperaturen werden im Terrarium nicht erreicht. Die höchste abgelesene Temperatur in Tobruk betrug im Jahr 2025 36°C. Bei dieser Temperatur ist die Schildkröte im Terrarium keineswegs inaktiv. 

Im Winter aber, wenn die Temperaturen nur noch auf tagsüber 18-20 °C steigen, und nachts bis auf 13°C fallen (im Habitat sogar auf unter 10°C, aber soweit lasse ich es nicht sinken), ist sie tage- manchmal sogar wochenlang nicht aktiv. Sie frißt auch in dieser Zeit nichts. Nur manchmal wärmt sie sich unter dem Spot auf, um dann wieder in ihr Versteck zurückzukehren. Alle Bewegungen geschehen dann wie in Zeitlupe (wie im Video vom 28.12.25 zu sehen ist, wo sie mal eine kurze Tour durchs Terrarium unternimmt), ganz im Gegensatz zum Sommer, wo sie fast durch´s Terrarium "rennt". 

Ich habe auch die Ernährung ihrer Lebensweise angepaßt, d.h. im Frühjahr-Herbst, in ihrer Haupt-Aktivitätsphase, gibt es frische Wiesenkräuter aus dem Garten. Im Winter, wenn es auch draußen nicht mehr viel Frisches gibt, lege ich ihr während des Sommers getrocknete Kräuter vor. Diese feuchte ich immer mal mit der Sprühflasche an. Aber viel frißt sie in dieser Zeit nicht, nur ab und zu knabbert sie daran. 

Ihr Speiseplan besteht aus: Löwenzahn, Klee, Spitz- und Breitwegerich, Brennessel (nur getrocknet), Lattich, Disteln, Schafgarbe, Storchschnabel, Vogelmiere. Brennessel und Schafgarbe rührt sie nur bei großem Hunger an. Lattich, Disteln, Vogelmiere, Breitwegerich und Storchschnabel geht so... Am liebsten aber frißt sie Löwenzahn (Blätter + Blüten), Klee und Spitzwegerich. Dafür ignoriert sie erstmal alles andere. Da sie noch ein Jungtier ist (geb. 2023), wird jeden Tag gefüttert, mit Ausnahme von Mittwoch... das ist ein Fastentag. Mit zunehmenden Alter jedoch werden zwei- oder drei Fastentage hinzukommen. 



... kleine Winter-Tour bei etwa 19°C





Dann gibt es natürlich noch Kalziumquellen im Terrarium, bestehend aus einer Sepia-Schale und verschiedenen Schneckenhäusern. Ich habe sie aber bisher nur sehr selten daran knabbern sehen.



Hier eine Aktualisierung vom Februar 2026... ich habe das Terrarium noch ein wenig umgestaltet, um mehr Struktur einzubringen. Umgedrehte Wurzeln sollen den Eindruck vermitteln, als befänden sich abgestorbene Bäumchen im Vordergrund.





Foto-Dokumentation zur Größen- und Gewichtszunahme meiner Testudo kleinmanni